|
Heavy Metal Heaven : Erik Mongrain in Berlin
September / Iceman / Berlin, Deutschland
Here We Go! Berlin – Spandau ca. 17:45h
Das KULTURHAUS SPANDAU ist ja nun kaum zu verfehlen, kurzer Blick zur Uhr und Josee, die Co-Managererin von Erik angerufen…“Ich bin vor Ort, wo seit ihr?“
Kaum das Handy wieder in der Jackentasche verschwinden lassen, drehe ich mich um, und schon steht Josee vor mir, na endlich bekam diese charmante Stimme mal nen
Gesicht!:-)
„Hi Iceman, Erik macht grad Soundcheck, lass uns hier draußen noch eine rauchen, das Kulturhaus ist der erste Ort in Deutschland den wir erleben an dem man nicht rauchen
darf!“
Na, ihr wisst ja bestimmt wie das ist…da trifft man jemanden zum ersten Mal in seinem Leben, und entweder es „passt“ oder eben nicht….
Aber Josee war von Anfang an so locker, lebenslustig das wir gleich plauderten, über die bekloppten Amis mit ihren „Rauchverboten“ und das die „Capitanos“ der BRD wohl bald nachziehen würden „Die Diskussion übers Rauchverbot am Steuer etc“ was für ungläubiges Staunen sorgte…
Aber dazu später mehr…
So, die Kippe ausgetreten und ab in die „Hütte“….
Das Kulturhaus Spandau müsst ihr euch in etwa so vorstellen wie nen Kino, ne kleine Bühne, rote Sessel die aufsteigend platziert sind, Fassungsvermögen ca.120 Leute…80 im Saal und 40 auf dem „Balkon“….
Ganz leise die Tür geöffnet….
Erik saß auf der Bühne, auf seinem Flightcase und spielte…
Für mich klang schon der Soundcheck mehr als beeindruckend, aber Erik, „Mr.110%“ Mongrain war alles andere als zufrieden!!!
Klar, ich meine der Mann spielt ALLEIN! Alles was auf der Bühne passiert lastet auf seinen Schultern, und er ist nun mal Perfektionist!
Er kann nicht, wie so manch andere „Schuldige“ denen auf der Bühne nen „Fehlgriff“ passiert, mal eben dem Rhythmusgitarristen nen bösen Blick zuwerfen – Es gibt nämlich keinen!!!
Dazu hat Erik die Fähigkeit sein Instrument WÄHREND des Spielens zu stimmen, nur per Ohr, was mich spontan an den Begriff des „absoluten Gehörs“ erinnerte….
„Diese Box ist zu leise, die andere zu laut…..ich höre dieses nicht, und jenes viel zu deutlich…“
Dazu die Verständigungsprobleme mit dem „Aushilfssoundman“ vom Kulturhaus….Erik und seine Crew sprechen nur Canadian English und Französisch, der Mann nur Deutsch….
Ich wollt mich da nicht einmischen, nur nen paar erste Fotos machen, aber als zwischen zwei Stücken Benoit, der zweite Manager von Erik, mich begrüßte und ich endlich Zeit fand Erik „Hallo“ zu sagen, ging das „fröhliche Übersetzungsspiel“ wieder mal los….
Zwischendurch mal mit Josee nach draußen, eine rauchen, da kam auch schon mein „Photograph-Man“ Björn um die Ecke! Pünktlich 18:30! Na, ich liebe es wenn ein Plan funktioniert!:-)
Dann gesellte sich auch noch Thomas Brandtstaetter, der Mann der die Tour geplant und eingefädelt hat, zu uns - also wieder rein in die gute Stube und dem Soundman mal gepflegt „auf die Finger gehauen“;-)
Aber letztlich wurde alles brauchbar, Erik war zufrieden, musste dringend rauchen gehen, (Der Mann qualmt nicht wenig), und gegen 20h war der Soundcheck erledigt, Zeit für nen Bier und ne Portion „Brätwörst“ …
Da das Kulturhaus nen eigenes, brauchbares, kleines Restaurant beherbergt brauchten wir auch nicht lang durch die Gegend zu marschieren um nen paar Kalorien auf dem Teller serviert zu
bekommen….
Erik: „Brätwörst mit Kraut und Kartoffeln – das esse ich jeden Tag seitdem ich in Deutschland bin“
Na, „Deutschländiger“ geht’s ja kaum, hm?;-)….
Die gesellige Runde hatte natürlich nur ein Thema: MUSIK!
„Ich mag diese Band, aber jene weniger, hast Du schon gehört das….“
Als das Essen kam haben Björn und Icke in Ruhe unser Bier getrunken, ich wollte unbedingt noch nen paar Fragen loswerden, aber man quatscht ja schließlich niemandem ins Essen…
Erik zündete sich grad ne Cigarette an, („Pure Canadian Poison, here take one!“)
| Iceman: „Erik, was ist dein Eindruck von Deutschland?“ |
| Erik: „Ich mag Deutschland, Deutsches Bier ist gut, die Brätwörst ist gut, das Wetter bei euch ist fast wie in Florida hier, das is völlig irre und – Hey, in der Zeit in der ich ein Bier trinke, trinkt ihr drei und seid nicht mal angeschiggert, ihr seit schon nen cooles Volk!“ |
| |
| Iceman: „Erik, wir haben einen sehr treuen Leser, Alex, das „MetalMonster“, ich hab ihm gesagt dass ich Dich treffen werde und er hat eine Frage an Dich – Deine Tapping Technik, kann man das mit jeder Gitarre
machen?“ |
Erik:„Na, nicht mit klassischen Gitarren, weil die sind bespannt mit Nylonsaiten….
Die sind mehr dafür da Flamenco, Klassik oder Jazz zu spielen, ich bevorzuge „normale“ Acoustic Gitarren, die haben mehr Volumen, mehr Tiefe!
Auf jeden Fall benötigt man dazu Steelstrings! Aber grundsätzlich geht das mit jeder Gitarre, es kommt nur darauf an wie man die Saiten tappt, die Technik der Hände ist
entscheidend!“ |
| |
| Iceman: „Benutzt Du in Deinen Gitarren einen zweiten Pick-Up um Deine Percussionperformance
einzufangen?“ |
Erik: „Das kommt ganz auf die Gitarre an, in der GUILD zum Beispiel mit der ich viel Tapping spiele, habe ich einen kleinen 100$ Pick-Up in der Größe eines Quarters eingebaut, so nen kleines Ding, das klebst Du in den Body wo immer Du ihn brauchst und der verstärkt die Percussions.
Es kommt natürlich auch immer darauf an in welchen Räumlichkeiten ich spiele, ich brauche den Pick-Up nicht in jeder Location, manchmal reicht auch nen Mikro, der Pick-Up ist nen ganz billiges Teil, aber er ist sehr zuverlässig – it works!“ |
| |
| Iceman: „Erik, gibt es etwas das Du einem jungen 16 jährigem, musikbegeistertem Menschen, einem begabten Gitarristen wie unserem Leser Alex sagen möchtest?““
|
Erik: „Hi Alex! Ich möchte Dir nur sagen, mach die Musik die Du in Dir selbst hörst, versuche nicht etwas zu kopieren! Auch wenn es Jahre dauert zu entdecken was DEIN Sound ist und der Weg stellenweise nicht immer leicht ist, bleib am Ball!
Blut, Schweiß, Geduld und wenn Du das beherzigst, die Musik nur für DICH machst, dich nicht darum kümmerst was andere denken, versuche nicht nur ein guter Techniker zu sein, finde heraus wer DU bist, dann sehe ich kein Hindernis eines Tages etwas von DIR zu hören! Gruß an Dich – Erik
Mongrain!“ |
|
Also liebe Leser – ich muss an dieser Stelle mal kurz unterbrechen – Mr.Erik Mongrain hat es sich nach diesem Statement nicht nehmen lassen mir für Alex ein signiertes Poster, einen signierten Flyer, nen Plek und nen Satz Saiten in die Hand zu drücken!!
Keine Starallüren!!! Hey Erik – YOU RULE!!!
Weiter geht’s – |
| |
| Iceman: „Erik, jetzt mal ne andere Frage, mein Kamerad Björn hier möchte wissen – Du spielst nun mal sehr präzise, sehr akkurat, was denkst Du wenn Du nachhause kommst, das Radio einschaltest und da kommt so nen „plumper 3 Akkord“ Song?“ |
| Erik: „Nun….(lacht)….es gibt viele tolle Bands wie Radiohead, Nirvana, Björk, Soundgarden, die einzigartige Musik machen bzw. gemacht haben, ich liebe Nirvana und diese Leute haben sich, so wie ich, nicht drum geschert was andere denken, ich mache meine Musik so wie ich sie hören will, das haben diese Bands auch gemacht dafür liebe ich
sie! |
|
Aber es gibt so viele andere Bands die versuchen den „sicheren Weg“ zu gehen, sie nehmen nen Sound von irgendner Band, und versuchen ihn zu kopieren!
In meinen Augen sind fast 90% aller Bands die Kopie von irgendwem, viele Sänger versuchen so zu klingen wie Eddie Vedder von PearlJam, aber er war nun mal der erste!
Die Bands versuchen einfach den „sicheren“ Weg zu gehen.
Rage against the Machine z.B. – ich für mich mag keinen HipHop, aber es war etwas NEUES das diese Band gebracht hat!
Für mich gibt es einfach zu wenige Individualisten im Radio, alle klingen gleich, Metallica, R.A.T.M. das ist für mich großartig, aber schon sind wieder genug in deren Fahrwasser unterwegs!
Auch die Bands mit Frauen am Mikro, alle klingen gleich, die Gitarren alle in demselben Tuning, das macht mich verrückt! Es ist nur mein persönlicher Standpunkt, aber deswegen höre ich kaum Radio!“
Ok! Erik – ITS SHOWTIME! .Lights out!
|
|
Here We Go!
Also was mir den Mann noch mal sympathischer machte, war die Tatsache dass er sich nicht
„abfeiern“ ließ!!
So manch andere wären da mit Schwaden aus Trockeneisnebeln, grellem Stroboskopenlicht, gestyltem Stagedress und ner Fanfare auf die Bühne marschiert….
Erik?
Nee, der Mann kam auf die Bühne, auf Socken (!!!) dieselben Klamotten wie eben noch beim Essen, ein bescheidenes „Hello“, nahm auf seinem Flightcase Platz, Schneidersitz, griff sich seine erste Gitarre und begann zu
spielen!"Die Scheinwerfer sind zu heiß, die Gitarren verstimmen sich ständig, Sorry, ich werd mal versuchen ne Gitarre zu bauen die sich niemals verstimmt, die gibt es zwar nicht, aber ich werd es mal versuchen..“
So war er gezwungen ständig nachzustimmen, obwohl ich behaupten möchte 99,9% aller Anwesenden hätten das nicht rausgehört…
Erik überbrückte die, teilweise langen, Pausen mit Geschichten über die Entstehung der Songs, ich meine: Nen Mann der sich von „Kindern die im Alter von 5 Jahren an Krebs sterben, während irgendwelche Berufsverbrecher 90 werden, hier läuft was falsch auf dieser Welt“
-
zu nem Instrumental Song inspirieren lässt….Der Mann kann sich eben am besten mit seiner Gitarre ausdrücken!!
Er spielte ungefähr grad die Hälfte seines Albums FATES, als er schmunzelnd meinte: “Na? Ihr wartet wohl alle auf das Tapping Zeux, hm? Das gibt’s in der zweiten Hälfte des Sets, ich geh jetzt erstmal eine rauchen, wie ich gehört hab bekommt ihr hier auch bald US- Amerikanische Zustände….na ihr werdet schon sehen…das is „Pain in the Ass! – Bis gleich!“
Josee, Björn und ich nutzten die Gelegenheit, orderten nen Frischbier, schnell ne „Original Canadian Poison“ geraucht, den Wirt gescheucht und wieder zurück zum Ort des Geschehens….
Erik ließ sich Zeit….stimmte wieder mal in aller Ruhe durch….und da war ES wieder – Sobald er seine Saiten berührte war er „Woanders“….“A Traveller trough the World of Sound“!
Er schien einfach in sich selbst zu ruhen sobald er spielte, es gab NULL Gepose, kein selbstverliebtes Grinsen, der Mann ist einfach ehrlich, man kann seine Musik mögen oder auch nicht, aber da gibt’s andere die sich an seiner Stelle enorm profilieren würden!!
Er liebt die Musik, seine Gitarre und wie mir Josee verriet „Erik steht morgens auf, schnappt sich ne Gitarre und spielt, dann isst er was, spielt weiter und irgendwann geht er wieder schlafen - Erik ist
besessen!“
„So, das ist jetzt mein letzter Song des Abends“ – kein albernes „Klatscht-bis-ich-wieder-raus-komme-Spielchen, sondern „und dann bin ich da draußen, quatscht mich ruhig an“ – Wie schon gesagt, keine Allüren, der Mann ist MENSCH!
Fotos hier, Autogramme dort und sogar seine T-Shirts sind von FAIRSHIRTS gedruckt, ner Firma bei der ihr auf jeden Fall mal vorbeischauen solltet!!
Nach dem Gig ergaben sich mir noch einige Fragen die ich gern beantwortet haben wollte…
Etwas gewartet bis sich der allgemeine Trubel etwas gelegt hatte -
Here We Go Again! |
| |
| Iceman: „Erik, Du spielst ne 12 Saiter, hast aber nur 9 Saiten bespannt, warum? Und in welchem Tuning?“ |
| Erik: „Ich benutze diese Gitarre nur für meine beiden neuesten Songs, das Tuning ist AA E C E BB, das ist der Sound den ich zurzeit bevorzuge, 12 Saiten sind da einfach zuviel für das woran ich momentan
arbeite!“ |
| |
| Iceman: „PRS Guitars baut ein „ErikMongrain“ Modell, Mr. Paul Reed Smith persönlich hat es Dir angeboten, wie sieht es damit
aus?“ |
| Erik: „Paul ist ein fabelhafter Mensch und ich kann es kaum erwarten die Schönheit zu sehen die er für mich erschaffen hat! Diese Gitarre wartet in Montreal auf mich und ich werde niemals in der Lage sein mich dafür bei Mr. Paul Reed Smith entsprechend bedanken zu können!“ |
| |
| Iceman: „Erik, ich habe mir Dein Album FATES drei Tage lang angehört, von dem Moment an dem ich aufgestanden bin, bis zu dem Augenblick an dem ich wieder zu Bett ging. Ich glaube in Deinen Kompositionen eine gewisse „Tiefe“, „Leere“, „Einsamkeit“ und einen Hauch „Depression“ heraus zu hören…..Liege ich damit richtig, oder ist es nur meine Sicht der
Dinge?“ |
| Erik: „Damit liegst Du richtig! Absolut! Ich bin ein „Rainy Man“ und das alles resultiert in meiner Arbeit, meinen Songs!“ |
| |
| Iceman: „Ok, Erik gibt es noch etwas was Du unseren Lesern sagen möchtest? Z.B. über die „Japan“ Pläne?“ |
| Erik: „Yeah - Stay tuned HERE for more Information“ |
| |
| Iceman: "“Ok, Erik ALLES Gute für Dich und für jeden von Deiner Crew! Danke für alles!“ |
| Erik: „Thank You!“ |
|
| Ein bescheidener Ausnahmekünstler von dem wir noch ne Menge hören werden! |
Page |